Berlin : Von Tag zu Tag: Retter in der Not

David Ensikat

Ist er also doch nicht nur der strenge Onkel mit einer Menge Probleme an der Hacke. Otto Schily ist auch ein guter Onkel mit viel Geld in der Kasse. 3,5 Millionen Euro hat er übrig, um den 44 Berliner Polizeipferden, ihren 75 Reitern, 12 Pflegern und zwei Hufschmieden ein neues Zuhause zu schenken.

Die Berliner Haushaltskommissare fanden, dass wer Pferdeäppel legt, nicht für Berlins Ordnung zuständig sein müsste und wollten die Reiterstaffel brutalstmöglich wegsparen. Sie haben sich das ganz leicht vorgestellt:Wem bedeuten die Reiter schon was?

Ha! Die Rechnung haben sie ohne die Cindys, die Mandys und alle anderen Pferdefreunde dieser Stadt gemacht. Die haben aufgeschrien, es gab eine regelrechte Pro-Gaul- Bewegung mit Unterschriftensammlung, Horrorszenario (Abdecker, Pferdeschlachter, Stutensalami!) und mit einem richtigen Zentralorgan (das mit den zwei roten Buchstaben im Titel). Die Proteste gegen die Schließung des Schiller Theaters 1993 waren im Vergleich hiermit ein kleiner Spaß.

Otto Schily ist ein Mann, der die Zeichen der Zeit versteht. Horst-Mahler-Verteidiger - Grüner - SPDler - Einwanderungs- und Bootfüllstandsexperte - Horst-Mahler-Gegner -und nun, in letzter Sekunde: Retter der Ritter, ein Pfundskerl mit Pferdesinn. Um sich selbst als Sympathieträger in Erinnerung zu rufen, sagte der von der V-Mann-Affäre Gebeutelte, die Reiterstaffel gehö re "zu den Sympathieträgern der Polizei", drum wolle er sie übernehmen. Bei Staatsbesuchen zum Beispiel könnten die Tiere eingesetzt werden, meinte er. Da trotten sie dann an Stelle der Motorräder vor den Staatskarossen her, ach was:vor den Kutschen. Und die Pferdeäppel auf der Protokollstrecke machen die Politik endlich wieder sinnlich.

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