Von Tag zu Tag : Rückfahrkarte

Helmut Schümann empfiehlt rote Knöpfe und letzte Sätze

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Die junge Frau war aus Köln angereist. Sie war schon lange nicht mehr in der Hauptstadt. Sie hatte sich ordentlich am Automaten eine Fahrkarte für die S-Bahn gezogen, 2,30 Euro für den Einzelfahrausweis, „Ab Entwertung 120 min gültig“, wie oben auf dem Einzelfahrausweis steht. Mit dem war sie vom S-Bahnhof Charlottenburg zum Bahnhof Friedrichstraße gefahren. Und als ihr Termin beendet war, war ihr Einzelfahrausweis noch 23 Minuten gültig. Die junge Frau stieg in die S-Bahn. Am Bahnhof Bellevue kamen die Kontrolleure.

„Das ist aber eine Rückfahrt“, sagte der strenge Mann, „das ist nicht statthaft seit 2002. Sie haben keinen gültigen Fahrausweis, da wird ein erhöhter Fahrpreis von 40 Euro fällig.“

„Ja, aber“, sagte die junge Frau, „woher soll ich das denn wissen?“

Der Kontrolleur hielt sich exakt an die Vorschriften. Er verwies auf den Fahrkartenautomaten, bei dem man auf den roten Knopf für „Information“ drücken müsse, „und dann steht im letzten Satz, dass Rückfahrten mit dem gleichen Fahrausweis nicht statthaft sind“.

Und was lehrt uns das? Wie viel Besucher hat Berlin jährlich? Ach, das ist egal, jedem einzelnen, ob aus Köln, Kyoto, Kirgisien oder sonst woher sei mitgeteilt, dass sie, bevor sie in die S- oder U-Bahn, den Bus oder die Straßenbahn steigen, erst einmal das Kleingedruckte lesen müssen. Egal, wie versteckt es auch ist. Da sind nämlich die Fallstricke verborgen.

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