Von Tag zu Tag : Scheinriese

Lars von Törne staunt, wie harmlos das Böse aus der Nähe wirkt.

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Mit dem BMW-Guggenheim-Lab ist es ein bisschen wie mit Herrn Tur Tur, den Michael Ende einst im Kinderbuch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ auftreten ließ. Diese Märchenfigur ist ein Scheinriese: Aus der Ferne wirkt er gigantisch und bedrohlich. Erst, wenn man ihm nahekommt, merkt man, dass er ganz normal dimensioniert ist. Der Vergleich drängt sich auf, wenn man jetzt die Arbeiten an einem temporären Bau sieht, der eine Zeit lang die ganze Stadt zu bedrohen schien und nach seiner Vertreibung aus Kreuzberg nun in Prenzlauer Berg Formen annimmt. Statt eines großen, bösen Verdrängungsmonsters sehen wir nur ein ganz profanes Metallgerüst. Das soll die Keimzelle einer Vertreibungswelle alteingesessener Kiezbewohner sein? Da ist doch jeder Wanderzirkus bedrohlicher für eingefahrene Strukturen. Nein, als Feindbild taucht dieses Lab aus der Nähe betrachtet nun wirklich nicht. Da sollten sich diejenigen, die die soziale Spaltung der Stadt fürchten, lieber auf jene konzentrieren, die als Bösewichte wirklich etwas hermachen. Bei Jim Knopf ist das übrigens der Oberbonze Pi Pa Po.

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