Von Tag zu Tag : Schlechtes Karma

Nik Afanasjew fühlt sich von BVG-Kontrolleuren missverstanden

Nik Afanasjew

Mittwochabend, kurz nach acht in der U 8 Richtung Alex. Vier Kontrolleure steigen zu. Ich zeige meine Monatskarte, ein Firmenticket. Doch zum ersten Mal nach einem halben Dutzend Kontrollen ist das nicht genug. „Die Trägerkarte!“, verlangt ein Kontrolleur in pampigem Ton. Okay, die habe ich jetzt leider nicht dabei – mein Fehler. „Ohne die dazugehörige Trägerkarte geht nix“, kriege ich zu hören, zur Verstärkung kommt ein zweiter Kontrolleur dazu. Offenbar Gefahr im Verzug.

Meine Freundin schlägt vor, dass sie mich einfach auf ihrer Umweltkarte mitnehmen könne, der Kontrolleur lehnt es ab: Das gehe jetzt nicht mehr. Ich gebe mich geschlagen, teile Name und Anschrift mit. „Machen Sie, was Sie wollen, aber denken Sie immer an Ihr Karma“, sage ich, nun doch etwas sauer. An der Jannowitzbrücke steigen wir alle aus.

„Wenn Sie mich bedrohen mit diesem Karma – das muss ich mir nicht bieten lassen“, erregt sich der Kontrolleur. „Genau, trag ein, dass der Kunde nicht kooperativ ist und etwas von einem sogenannten Karma erzählt“, pflichtet sein Kollege ihm bei. „Wissen Sie, was das ist?“, frage ich, während der Erste „ich trag’ das ein, ich trag’ das jetzt ein!“ vor sich hin brabbelt. Verabschiedet habe ich mich am Ende nicht, das war sehr unhöflich. Hoffentlich ist das nicht schlecht für mein Karma.

Karma: ein zentraler, aufs Spirituelle zielender Begriff u. a. des Hinduismus

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