Berlin : Von Tag zu Tag: Schließ mich!

Bernd Matthies

Eine neue Regierung muss nach einem allgemein anerkannten Lehrsatz die größten Grausamkeiten am Anfang ihrer Arbeit begehen: Leute entlassen, Subventionen streichen und Steuern erhöhen, damit die Wähler bis zur Wahl wieder vergessen können. Möglicherweise ist das der Grund dafür, dass die rot-rote Koalition jetzt mit so großer Dringlichkeit den Bau eines Rosa-Luxemburg-Denkmals betreibt: Bis zur nächsten Wahl ist das Ding eingestaubt und steht auf dem gleichnamigen Platz herum, ohne noch groß aufzufallen.

Dennoch bleiben die Motive der Hast ein wenig unklar. Gut: Die PDS ist immer ein wenig klamm, wenn es um politisch nicht total desolate Vorbilder geht - Rosa Luxemburg erfüllt als linke Frau, die zumindest geistig-moralisch aus dem Osten kommt, glatt eine Dreifachquote. Möglicherweise hat das auch die SPD dazu getrieben, eine der doktrinärsten SPD-Feindinnen der Geschichte zu ehren. Oder war es einfach die Drohung der anderen Seite, dann sofort die Koalitionsgespräche scheitern zu lassen?

Vielleicht war es auch nur die Lücke auf dem Platz, die danach verlangte, geschlossen zu werden. Schließ mich!, rief sie den Planern zu, und da war es ja klar, dass eine Statue von, beispielsweise, Wilhelmine Lübke auf Frau Luxemburgs Platz nicht in Frage kommen würde.

Ja, so viel dazu. Schlagen Sie uns in etwa 50 Jahren wieder auf, wenn es auf dieser Seite heißt: SPD und PDS für Gysi-Standbild!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben