Von Tag zu Tag : Schmuggler!

Bernd Matthies wünscht der Röstkaffeesteuer ein baldiges Ende.

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Ihr Nachbar ist ein seriöser Mensch? Vorsicht: Er könnte, unerkannt, auch ein Schmuggler sein, ein amtlich anerkannter Krimineller. Soeben ist nämlich in Berlin und NRW eine Kaffeeschmugglerbande zerschlagen worden, die sich das Phänomen zunutze gemacht hat, dass Deutschland auf Röstkaffee eine Steuer erhebt, die meisten anderen Länder aber nicht.

Röstkaffeesteuer? Das klingt nach dem 18. Jahrhundert, und da kommt sie auch her – eine der zahllosen Erfindungen des geldhungrigen Staates. Auch heute nimmt der Zoll die Sache verdammt ernst, weil Röstkaffee gern im Internethandel beschafft wird. Vor einigen Jahren hat der Bundesrechnungshof festgestellt, dass dabei 25 000 Euro an Steuern hereinkamen, aber 800 000 Euro für Zollpersonal ausgegeben wurden – Ordnung muss sein.

Man könnte nun das Undenkbare denken, die Steuer abschaffen und die Zollfahnder fortan mit wichtigen Dingen beschäftigen. Das würde sicher mehr als die eine Million Euro Steuer einbringen, und die Schmuggler wären auf einen Schlag ihr Gewerbe los: weniger Kriminalität, mehr Geld. Aber diese Art einfacher Vernunft wird in Deutschland leider nicht mehr praktiziert.

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