Berlin : Von Tag zu Tag: Schwanensee

Christian van Lessen

Die Momente kleinen Glücks: Sie sind schwer zu schildern; und was so mancher Mensch für Glücksgefühl hält, lässt den anderen müde gähnen. Aber so sind wir Menschen, so sollen und so müssen wir auch sein.

Zwei Beispiele nur: Im abgezäunten Schilfgürtel der Krummen Lanke hat ein Schwanenpaar gebrütet. Das Nest, nicht gerade gut getarnt, wird von vielen Spaziergängern nicht weiter beachtet. Aber es gibt sehr viel mehr große und kleine Leute, die kommentieren vom Uferweg aus die Lage: Glücklich, liebevoll, auch besorgt.

Sie haben vor Wochen die Schwäne das Nest bauen sehen, vor wenigen Tagen erst drei graue Winzlinge untern den Fittichen der Mutter (oder wars der Vater?) beobachtet. Und gerade beim ersten Schwanenausflug zur Badestelle gegenüber festgestellt, dass es die Eltern zu acht (!!!) Nachkommen gebracht haben. Oje, sagen die Besorgten, als schwante ihnen nichts Gutes. Aber das Herz geht ihnen über - vor Glück.

Das gibt viel und kostet nichts. Vier Mark kostet ein anderes Glücksgefühl, von dem viele Leute nicht lassen können - während andere sich an den Kopf fassen. Das Glück heißt Lichterfelde und fährt im Stundentakt als BVG-Fähre von der Anlegestelle Wannsee über die Havel nach Kladow und zurück. Es gibt Fanatiker, die können nicht aussteigen, die müssen hin und her schippern, erst recht, wenn die Sonne scheint. Sie machen Urlaub auf See, möglichst per Zeitkarte, was dem Schaffner ein Schnippchen schlägt, denn er hat darauf zu achten, dass der Einzelfahrschein nur für eine Fahrt gilt.

Ob Kurztripp oder große Fahrt: Die Lichterfelde bringt vielen Leuten Glücksgefühle. Wie die Krumme Lanke, der Schwanensee.

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