Von Tag zu Tag : Schweigegeld

Werner van Bebber hält von nun an die Berliner Schnauze

Werner van Bebber

Okay, dass wir hier wirtschaftlich nicht die Ranglisten anführen, ist bekannt. Jede neue Studie, die unsere Wirtschaftsschwäche bestätigt, tut weh, aber nur ein bisschen. Hamburg, Süddeutschland – da verdienen die Leute das Geld. Dann kommen sie als Touristen zu uns, lassen ein bisschen von ihrem vielen Geld in ihrer ärmlichen Hauptstadt, was den Anstieg der Hartz- IV-Empfänger ein bisschen bremst. Aber diese neue Studie zur Beliebtheit deutscher Dialekte... das hätten wir nicht gedacht. Am Unbeliebtesten, klar: Sächsisch. Aber dann, auf Platz zwei: Berlinisch! Mit dem Bayrischen! Das ist bitter. Schwäbisch, hätten wir gedacht, ist nur im Hölderlin-Proseminar an der FU gestattet. Hessisch, höhnten wir, babbelt keiner außerhalb der Landesvertretung. Wattdennwattdenn, röhrten wir, wenn Touristen irritiert am Checkpoint Charlie standen und nicht zu wissen schienen, wo die Mauer war. Tatsächlich waren sie irritiert über den krakeelenden Eingeborenen. Sie wollen, dass wir schweigen. (Seite 26)

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