Berlin : Von Tag zu Tag: Selbstverständliches

Elisabeth Binder

Ohne die Amerikaner wäre die Stadt, die Berlin heute ist, nicht denkbar. Hier noch mehr als anderswo haben die Menschen Grund, ihrer Dankbarkeit und Solidarität Ausdruck zu verleihen. Die sehr besondere Beziehung begann mit der Luftbrücke. Dann folgte der Mauerbau. In der damaligen Welt war Berlin der Krisenherd Nr. 1, und es ist, wie zuletzt in dem Film "Thirteen Days" eindrucksvoll nachzuvollziehen, wohl nur dem umsichtigen Handeln amerikanischer Präsidenten zu danken, dass es nie zu noch Schlimmerem kam. John F. Kennedys umjubelte Rede vor dem Rathaus Schöneberg war ein besonderer Leuchtturm in einer Folge von Solidaritätsbekundungen. Von der Hoffnung, die sie gaben, lebte diese Stadt, bis der Kalte Krieg zu einem friedlichen Ende kam.

Die Amerikaner haben sich nach dem Mauerfall uneingeschränkt mit den Berlinern gefreut. Über die Jahrzehnte war eine unverbrüchliche Freundschaft gewachsen, an der die 68er Demonstrationen nichts änderten. Den Satz, den diese Stadt so oft gehört hat, wiederholte Präsident Bill Clinton noch einmal vor dem Brandenburger Tor: "Amerika steht fest an Ihrer Seite, jetzt und für immer." Dass der Satz umgekehrt genauso gilt, mag man für selbstverständlich genommen haben, das auch auszusprechen, darauf wäre man so nicht gekommen. Wahrscheinlich hätte das weltfremd gewirkt. Auch das hat sich geändert, seitdem die Welt fremder geworden ist.

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