Von Tag zu Tag : So friedlich Heute wird an 100 Schulen gestreikt

Annette Kögel ist mal wieder ein Bär aufgebunden worden.

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Foto: REUTERS

Im Naturkundemuseum lernt man eine Menge. Zum Beispiel, was es früher, als es noch kein Facebook gab, bedeutete, an einer Pinnwand zu „posten“. „Ihr habt Knut toll hinbekommen“, steht auf Emilias Zettel an der Wand im Foyer. Oder: „Knut bleib bei uns“. „Knut war echt cool, in Liebe Cindy“. Und „Jetzt ist unser ,Knuti’ unsterblich. Er sieht super super aus“. So liest sich das, wenn Berliner zu sehr lieben.

Manchmal können wir Großstädter sogar Gefühle zeigen und miteinander ins Gespräch kommen. Aber dafür brauchen wir einen Mauerfall oder eine Fußball-WM. Oder Knut. Beim weltbekannten Zooeisbären reicht sogar das, was von ihm übrig geblieben ist: 30 Kilo Dermoplastik, mit echtem Fell und Krallen. Die Pose sei typisch, fachsimpeln sie, die Spanier und die Spandauer. Sein Profil: perfekt! Die Lippen: gelungen. Aber die Segelohren und der dünne Hals? Jetzt muss die Aufsicht, ein Tierarzt, trösten: Beim verlorenen Winterfell wollten die Präparatoren nicht mit künstlichem Haar schummeln.

Eine Asiatin philosophiert am Sonntag im Museum, der Bär sei an Kummer eingegangen, nachdem sein Ziehvater verstarb. Davon sind ihre Geschwister in Thailand ebenso überzeugt. Knut ist eben Familiensache. Onkel, 47, und Neffe, 19, führt der Sonntagsspaziergang zu Knut, sie reden über Arktiseisschmelze und Klimawandelsymbolknut. Andere Knutianer haben Bärenbuttons und Croissants dabei, Knuts Leibspeise zu Lebzeiten.

Das Museum hatte Drohbriefe bekommen: Wenn ihr ihm ans Fell geht! So sichert auch eine Securitykraft das Phänomen hinter Glas, aber jetzt ist Ruhe. „Er sieht so friedlich aus. R.I.P.“ Mitten im Trubel überblickt Knut mit seinen Spezialglasaugen die Menschen. An Thomas Dörflein, den Tierpfleger, der alles ermöglichte, erinnert – wie im Zoo – nichts.

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