Von Tag zu Tag : Sondermaße

Johannes Schneider analysiert einen unbedachten Klotürenklau

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Es gab eine Zeit, da waren die Haare lang, die Menschen bekifft und die Sperrmüllberge groß. Bei den 68ern musste alles raus aus der Wohnung, was nicht unmittelbar dem Streben nach Erkenntnis, Freiheit und/oder Sozialismus diente. Zuvorderst die Klotüren: „Wer heut’ noch hinter Türen sch..., den finden wir hier frühvergreist“, hallte es durch Wohngemeinschaftsflure.

Heute ist die Welt anders: Die Haare sind kurz, der Joint kreist bei der konservativen Jugend nur nach Feierabend – und von Klotüren können manche Leute nicht genug bekommen: In der Nacht zu Donnerstag stahlen Unbekannte vier Kabinentüren von einem Rastplatz-WC am Berliner Ring und erzeugten damit einen Sachschaden von rund 20 000 Euro.

Dumm nur, dass die Türen klauenden Neo-Biedermeiers eins nicht bedacht haben: Laut Andreas Müller von der Autobahnmeisterei Erkner passen die Türen „nur für Brandenburger Toilettenhäuser“. Wer kein solches hat, kann mit den teuren Maßanfertigungen nichts anfangen, zumal ihr Materialwert laut Müller eher gering einzuschätzen ist. Was da bleibt: der Sperrmüll. Oder noch besser: die Rückgabe der Türen an die Autobahnmeisterei.

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