Berlin : Von Tag zu Tag: Souvenirs, Souvenirs

Andreas Conrad

"Von der Garbo eine Brille" - nein, muss nicht sein. Aber der "Verschluss der Bluse, die die Lollo trug" - ja, wäre nicht schlecht. Und "von der Monroe einen Schwamm" - das wäre nun wirklich Spitze. Bill Ramsey hatte einen exzellenten Geschmack, wenn es um "Souvenirs, Souvenirs" ging, für ihn das "Salz in der Lebenssuppe". Wer nach Berlin kommt, muss sich allerdings bescheiden, solche schönen Dinge sind hier kaum aufzutreiben. Souvenirs aus Berlin sehen anders aus. Vor Jahren gab es Unmengen von Mauerbröckchen, kunterbunt, unifarben oder von frischem Steingrau. Wer bei der offiziellen Schließung des Checkpoint Charlie dabei war, konnte hinterher sogar das Originalpflaster herausreißen, auf dem das Wachhäuschen stand. Später bot ein alter Spionagetunnel jede Menge Rost - nein, Souvenirs aus Berlin sind nicht glamourös. Auch das neueste Angebot kann man nicht gerade als Sternenstaub verkaufen. Es bleibt bei der gewohnten Mischung: Blut, Schweiß und Tränen - das wichtigste Düngemittel für den Rasen des Olympiastadions. Der traditionsreichen Arena geht die mit der Sanierung betraute Walter Bau nun auch noch an die Grasnarbe. Der Rasen wird erst eingerollt, dann zersägt, in größere und kleinere Teile. Oder so ähnlich. Eine Top-Offerte für jeden fussballbegeisterten Kleingärtner: Wächst nach, lässt sich Grashalm für Grashalm weiterverkaufen. Das Vertikutieren besorgt man am besten per Stollenstiefel. Und sogar in den Urlaub kann man den Rasen mitnehmen: Ausstechen, einrollen, ab in den Koffer.

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