Von Tag zu Tag : Statt Spießen

Andreas Conrad traut sich nur noch zähneklappernd in Knuts Nähe

Andreas Conrad

Nu is jut, Knut! War es wirklich in diesem Jahrhundert, dass der putzige schneeweiße Kerl unser aller Herz entzückte? Zum Glück ist er da wieder und wieder abgelichtet worden, das kann uns niemand nehmen. Die Erinnerung allerdings an sein erstes Herumtapsen wird mehr und mehr überlagert durch andere Eindrücke. Erst saute er sich das saubere Fell regelmäßig ein, dann fletschte er durch die Glaswand seines Geheges blutrünstig die Zähne, und jetzt ist es so weit mit ihm gekommen, dass sich die Zooleitung gezwungen sah, das Trennglas in gebührendem Abstand durch einen soliden Eisenzaun zu ergänzen: Knut könne bei Gelegenheit hochspringen und Besuchern, die einen Arm cool über den Glasrand hängen lassen, diesen kurzerhand abbeißen. Das Animalisch-Brutale, so muss man diese Vorsichtsmaßnahme wohl deuten, bricht sich in unserem einstigen kleinen Liebling Bahn, dem war mit eiserner Härte zu begegnen. In früheren Jahrhunderten hätte man zu Kette und Nasenring gegriffen, vorsorglich auch Spieß und Armbrust bereitgehalten, auf das es mit dem Bären kein Problem gebe. Verglichen damit, Knut, hast du es verdammt gut.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar