Von Tag zu Tag : Stehen bleiben!

Susanne Grautmann testet die neue BVG-App – und verpasst eine U-Bahn.

Susanne Grautmann
Handy raus, 112 anrufen
Handy raus, 112 anrufenKai-Uwe Heinrich

Die U-Bahn fährt ein, das Smartphone zeigt sich unbeeindruckt. Es bearbeitet beflissen die Ticketanfrage, ein Fahrschein AB soll es sein. Offensichtlich hat es damit ziemlich viel zu tun. Es rechnet und rechnet.

Der Blick wandert hektisch vom Display zum Zug, der mittlerweile am Bahnsteig steht. Die Tür öffnet sich, Menschen strömen heraus. Erst aussteigen lassen, dann einsteigen, zwei Sekunden müsste man noch haben. Blick aufs Display: Das Gerät rechnet immer noch. Blick nach innen: stark erhöhter Blutdruck. Es ertönt das akustische Signal, die Warnleuchten an den Türen blinken auf, nur das Telefon lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Die Tür schließt, die Bahn fährt ab.

Der Button „Vorgang abbrechen“ wird etwas heftiger gedrückt als nötig. Ausatmen. Neuer Versuch. Button „Ticket kaufen“. Dieses Mal erscheint sehr schnell das gewünschte Ticket Berlin AB, sogar personalisiert mit dem eigenen Namen. Die nächste Bahn kann also kommen. Noch fünf Minuten. Zeit, schnell ein Croissant im Backshop auf dem Bahnsteig zu erstehen. Nervennahrung.

Mit der U1 zum Halleschen Tor, dort umsteigen in den Bus M 41. Auf dem Handy-Display das personalisierte Ticket. Der Busfahrer schaut kaum hin, sein Gesichtsausdruck zeigt Desinteresse. Der Stolz der Ticketkäuferin wandelt sich in Enttäuschung. Weiterfahrt zum Anhalter Bahnhof.

Von dort aus geht die Reise wieder per Bus zurück zum Halleschen Tor. Das Ticket Kurzstrecke ist gekauft, nur will es sich nicht anzeigen lassen, jedenfalls nicht in seiner ganzen personalisierten Schönheit. Immerhin ist im Display zu lesen, dass es ein aktuelles Kurzstrecken-Ticket gebe, samt Datum und Uhrzeit. Die nächste Ebene lässt sich nicht anzeigen, das Telefon stellt die Zusammenarbeit ein und demonstriert mit einem Ausrufezeichen auf dem Display Empörung. Warum eigentlich? Es ist ein unbekanntes Problem aufgetreten. Was nun? Der Busfahrer lächelt milde – und nimmt die Handybesitzerin trotzdem mit.

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