Berlin : Von Tag zu Tag: Stiefelpflicht

David Ensikat

Mussten Sie mal ein Pionierhemd tragen? Oder eines der Freien Deutschen Jugend? Wenn ja, dann wissen Sie, wie das war mit den Uniformen. Es war doof. Nicht, wegen der Markenklamotten, die man dann nicht tragen konnte - solche hatten sowieso nur die wenigsten. Man hat sich einfach geschämt, brav zu sein. Wer zu Pioniernachmittagen oder FDJ-Versammlungen ging, war brav (meistens war es angeraten, brav zu sein).

Um die unbequemen Kunststoffhemden wenigstens nicht den ganzen Tag lang tragen zu müssen, streifte man sie nur für den Appell oder für den FDJ-Nachmittag über und danach sofort wieder ab. Ganz Ausgebuffte hatten statt eines FDJ-Hemdes nur einen blauen Kragen, den sie oben in den Pullover steckten.

Jetzt fangen sie in einer Hamburger Schule an mit Schuluniformen. Nicht für Appelle oder irgendwelche organisierten Nachmittage, nein für jeden Schultag. Was soll man denn davon halten?

Großartig ist das. So werden später die Hamburger mit Uniformerfahrung den Hamburgern ohne Uniformerfahrung von ihrer Uniformerfahrung erzählen können. Wie hätte diese Glosse ohne die auktoriale Uniformerfahrung entstehen sollen?

Eines allerdings sollte man bedenken, wenn in Berlin die Idee mit der einheitlichen Schulkleidung wieder einmal aufkommt: Es müssten Springerstiefel dazugehören. Das wäre wirksamer als jedes Verbot. Springerstiefel als Zeichen fürs brave Mitmachen.

Wegen der Kosten könnte man das auf eine einzige Schule beschränken. Das würde völlig ausreichen, um das coole Image der Dumpfkopftreter zu ruinieren.

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