Berlin : Von Tag zu Tag: Stimmanns Bombe

Christian van Lessen

Hans Stimmann, der Senatsbaudirektor, ist ein Poltergeist. Einer, der mitunter schroff seine Stadt-Ansichten äußert und auf Gesprächspartner verletzend wirkt. Der hochfliegende Baupläne gern auf Berliner Normalmaß stutzt und orts- und weltbekannte Bauherren und Architekten zu verprellen versteht. Ein verbaler Raufbold, der charmant parlieren kann, wenn er nur will.

Aber bei einem Gespräch mit Vertretern der amerikanischen Handelsgruppe Wal-Mart, die in den Passagen am Roten Rathaus eine neue Filiale einrichten möchte, wollte er nicht. War von allen guten Geistern verlassen: Eine Bombe müsste man da reinwerfen, polterte er. Und erschreckte damit die Investoren und auch die Wohnungsbaugesellschaft Mitte, der die Rathauspassagen gehören. Rund drei Wochen nach den verheerenden Terroranschlägen, als Flugzeuge zu Bomben wurden, sprach Staatssekretär Hans Stimmann gegenüber Amerikanern tatsächlich von "Bombe werfen".

Er hat sich inzwischen entschuldigt, die Wortwahl bedauert. Er hat erklärt, nicht die vorhandenen Rathauspassagen, sondern einen geplanten Anbau gemeint zu haben, was die Bombe keinesfalls entschärft. Er hat sich den hilflosen Hinweis nicht verkneifen können, dass der "kontroverse Austausch von Argumenten" eben zum Alltagsgeschäft des Senatsbaudirektors gehört.

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