Von Tag zu Tag : Streik light

Sigrid Kneist wundert sich über die Arbeitskampftaktik von Verdi

Sigrid Kneist

Jetzt lautet das Motto also Arbeitskampf light. Verdi ruft für heute auf zum Warnstreik bei der BVG, und niemand soll es merken. Busse und Bahnen werden fahren. Niemand soll, bitte, auf den Gedanken kommen, man wolle die Fahrgäste verärgern. Dazu wird mit Flugblättern um Verständnis geworben. Härte allein bringt es eben nicht. Denn das Besondere an Streiks in öffentlichen Unternehmen ist, dass sie den Arbeitgeber am allerwenigsten treffen, dafür die Bevölkerung umso mehr. Die kann das ganz schön übel nehmen, wenn die Auswirkungen zu heftig werden. Verdi hatte mit dem ersten 39-stündigen Warnstreik bei der BVG, der kaum angekündigt war, den Berlinern schon einiges zugemutet. Jetzt haben die Gewerkschaftsfunktionäre die Notbremse gezogen. Auch gegen die Hitzköpfe in den eigenen Reihen, die weiter den Konfrontationskurs fahren wollten. Ohne ein bisschen gesellschaftlichen Rückhalt streikt sich’s nämlich nicht mehr ganz so schön. Die Bürger erwarten dann Härte von den Arbeitgebern; öffentliche Unternehmen werden ja auch durch ihre Steuermittel mitfinanziert.

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