Von Tag zu Tag : Stresstour

Christoph Stollowsky wünscht sich möglichst lange U-Bahnstrecken

Von Tag zu Tag xtc HP mit Kontur

Das ist wahrlich kein Fortschritt für die Lesekultur in Berlins öffentlichen Verkehrsmitteln. Zeitung aufschlagen, ein paar Schlagzeilen und Absätze auf der ersten Seite lesen oder ein Buchkapitel gerade mal anfangen – und schon ist die neue U-Bahn-Linie U55 binnen drei Minuten über ihre 1,8 Kilometer lange Strecke vom Brandenburger Tor zum Hauptbahnhof gerauscht. Endstation. Aussteigen. Vorbei die schöne Zeit der Lektüre, die jeder gestresste Mensch zu schätzen weiß, der außer in Bahn und Bus kaum Muße zum Lesen findet. Da sind die langen U-Bahn-Strecken doch wesentlich erfreulicher. Aber knappe drei Minuten bringen die Fahrgäste der neuen Linie auch noch anders in Hektik. Am Mobiltelefon muss man so schnell reden wie Jerry Lewis als verrückter Professor, um alle Informationen während der Fahrt loszuwerden. Und man muss die Stulle schon herunterwürgen, bevor einen die BVG flugs hinauskomplimentiert. Selbst der Mann im Führerhäuschen der neuen U55 kann einem leidtun. Er muss ja permanent die Richtung und das Cockpit wechseln und den Kaffee aus der Thermoskanne im Becher mitschleppen.Drei Minuten, die reichen gerade mal zum Abkühlen aus.

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