Von Tag zu Tag : Tempo, Tempo!

Andreas Conrad sieht bei einer grünen Welle für Radler rot

Die erste grüne Welle der Verkehrsgeschichte soll man 1917 in Salt Lake City erfunden haben: sechs Kreuzungen, die Ampeln noch per Hand geschaltet – eine hübsche Idee, technisch wohl keine große Herausforderung. Es war vergleichsweise wenig los auf den Straßen, und die Autos unterschieden sich in ihrer Spurtfreudigkeit kaum. Ideale Voraussetzungen also für eine nivellierende Verkehrslenkung – und das genaue Gegenteil der Situation eines modernen Planers, der den Fahrradverkehr per grüner Welle lenken, unterstützen, protegieren will. Es soll solche Überlegungen für Berlin bereits geben, was nicht nur für Autofahrer viele Fragen aufwirft. Solch eine Wellenschaltung setzt ein kontinuierliches Durchschnittstempo für alle Verkehrsteilnehmer voraus. Das schafft man mit VW wie mit Porsche, doch wo setzt man das Mittel bei den Radlern an? Soll der Sportler sich zügeln, damit die grüne Welle Oma-gerecht bleibt, oder die alte Dame sich, dem zügigen Vorankommen aller Radler zuliebe, die Seele aus dem Leib strampeln? Vorzugsschaltungen für Tandems? Radelverbot für Kleinkinder? Wahrscheinlich hilft nur manuelle Schaltung – wie damals in Salt Lake City.

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