Berlin : Von Tag zu Tag: Theaterpause

Brigitte Grunert

Alles zu seiner Zeit. Auch oder gerade in Berlin ist es ein wunderschöner politischer Brauch, dass die Feste gefeiert und die Ferien genommen werden, wie sie fallen. Unsere Politiker können sich noch so sehr in den Haaren liegen, aber sie kriegen immer wieder dieses stille Einvernehmen hin.

Kurz vor Ostern stand die Große Koalition noch auf des Messers Schneide. Ganz Berlin fragte sich, ob und wann es Neuwahlen gibt. Und dann machten wie auf Kommando alle einen halben Meter vor dem Abgrund kehrt. Haben die da oben etwa nur Krise gespielt? Iwo, das nicht. Aber Krisen werden in Berlin immer noch vom Kalender bestimmt. Man lässt doch deshalb die Ferien nicht nehmen. Alles zu seiner Zeit.

Von daher hat Eberhard Diepgen nichts zu besorgen. Der Regierende kann sich seelenruhig auf großer Dienstreise von Jakarta bis Peking und Honkong feiern lassen. Andere sind zur Erholung verreist, zum Beispiel Klaus Landowsky nach Österreich, Peter Strieder nach Teneriffa. Man muss ja nach den langen harten Krisenwochen mal Luft holen und ausspannen.

Keine Sorge, das Zetermordio wird garantiert wieder einsetzen, wenn die Ferien vorbei sind. Dann sind alle wieder bei Kräften und richtig kampflustig. Dann kriegen wir den Führungswechsel in der CDU-Fraktion, das Heulen und Zähneklappern um den Nachtragshaushalt wegen der Finanznot als Folge der Krise der Bankgesellschaft, und im Untersuchungsausschuss wegen der Parteispendenaffäre vor dem Panorama der Bankenkrise ist auch reichlich Musike drin. Das Koalitionsklima bleibt garantiert angespannt. Sagen wir bis zur Sommerpause. Wäre ja noch schöner, wenn es anders wäre.

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