Von Tag zu Tag : Transit

Ulrich Zawatka-Gerlach erinnert an 30 Jahre deutsch-deutsche Autobahn.

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Mit uns geht die neue Zeit, hätte man vor 30 Jahren singen können. Damals zerschnitten, scharf getrennt nach Ost und West, in Gudow/Zarrentin und Witzhave zwei deutsche Verkehrsminister bei Sturm und Regen die rot-weißen Bänder, um eine Transitautobahn zwischen Berlin und Hamburg zu eröffnen. Es war das Ende der legendären Fernstraße 5, deren Alleen von zerschroteten Trabis gesäumt waren und die auch Wessis mit dem Fahrrad oder Moped bereisen durften. Ohne Übernachtung oder verdächtig lange Pausen. Die neue Autobahn blieb dagegen dem vierrädrigen Kraftverkehr vorbehalten, der mit sagenhaften 100 km/h über den porösen Beton schruppte. Den Zeitgewinn von eineinhalb Stunden ließ sich die Führung der BRD über 1,2 Milliarden West-Mark kosten. Der Bauherr DDR bedankte sich mit einem deutsch-deutschen Mittagessen der beiden Fachminister Werner Dollinger (CSU) und Otto Arndt (SED) in der Raststätte Stolpe. Sicher gab es Soljanka und Letscho. Im Fall eines Atomkriegs, so vereinbarten beide Seiten damals, hätte die A 24 von beiden Seiten als Startbahn für Kampfjets genutzt werden dürfen. Die gute, alte Zeit!

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