Von Tag zu Tag : Tüte oder Tank?

Bernd Matthies schlichtet den Streit um des Kaisers Milchbart.

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Ein seltsames Phänomen: die Regionalität. Der Verbraucher hat sich entschlossen, die Herkunft eines Lebensmittels wichtiger zu nehmen als die Qualität – oder genauer: die Herkunft aus der Nähe für eine Qualitätsgarantie zu halten. Nur so ist es wohl zu erklären, dass Christian Ströbele, der sonst Schurken internationalen Formats nachstellt, nun den Milchkonzern Campina zur Strecke gebracht hat, der in Köln Milch der Marke „Mark Brandenburg“ abfüllte – und das ohne Brandenburger Kühe. Die Marke ist verkauft, und der Erwerber, die Firma Odenwald, möchte nun zumindest die Abfüllung wieder nach Brandenburg verlegen, was wohl bedeutet, dass die Auswärts-Milch dann nicht in der Tüte, sondern im Tank ins Land zurückkehrt ...

Ob Ströbele damit zufrieden ist? Es ist ein Streit um des Kaisers Milchbart: Wieso stellt die Frage der Herkunft bei praktisch identischen Produkten wie Kölner oder Prenzlauer Milch überhaupt ein Kaufargument dar und begründet juristische Auseinandersetzungen? Dabei geht es cleverer: Eine Supermarktkette führt voller Stolz Fleischprodukte der Marke „Wilhelm Brandenburg“. Der Regional-Fan greift zu – und liest zu Hause, dass diese angeblich uralte Firma in Frankfurt/Main sitzt und mit dem Land Brandenburg nicht das Geringste zu tun hat. Herr Ströbele? Geht da noch was?

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