Von Tag zu Tag : Um sich selbst

Bernd Matthies zur Lage des Tacheles vor der Versteigerung

von

Jeder hat eine dezidierte Meinung über das „Tacheles“, es ist eine Art Backstein-Sarrazin. Als der Ausblick auf die Zwangsversteigerung im Frühjahr gestern auf unserer Website erschien, waren in kürzester Zeit schon wieder mehr als 40 Kommentare versammelt. Es geht darum, ob die Künstler nur verkappte Hausbesetzer sind oder ob aus einem Denkmal der lebendigen Stadt ein Konsumtempel für zugezogene Schwaben wird – ein Klischee schlägt das andere.

Richtig ist, dass das Tacheles ein wichtiges Touristenziel ist, ein Wahrzeichen für den pittoresken Chic der Hartz-IV-Boheme. Richtig ist auch, dass die dort produzierte Kunst nichts bewegt und nichts darstellt, sondern, wenn überhaupt, nur um sich selbst kreist. Es wäre also zu wünschen, dass ein Erwerber einerseits das Gebäude behutsam saniert, andererseits aber seinen Charakter als Schaufenster der Berliner Kunstmeile begreift und völlig neu interpretiert.

Das geht nur mit viel Geld, das aufgebracht und anschließend verzinst werden muss, also durch eine Art „Gentrification“. Schwer! Das wird Ärger geben, so oder so. Aber die einzige Alternative ist der weitere Verfall.

0 Kommentare

Neuester Kommentar