Berlin : Von Tag zu Tag: Umtausch garantiert

Annette Kögel

Die Kaufhäuser können sich für ihren Winterschlussverkauf einfallen lassen, was sie wollen: Gratis-Kaffee ausschenken, die Preise bis zum Nullpunkt senken oder die Läden an ganz, ganz langen Sonnabenden auflassen bis mindestens Acht. Trendsetter-Frauen lotst in diesem Jahr trotzdem keiner zum Shoppingbummel an den Grabbeltisch.Schuld ist ein neuer Trend: Klamottentausch, die textile Version der Tupperparty.

Statt das Portemonnaie einzupacken Freundinnen einladen und Kleiderschränke durchwühlen. Das labbrige Sweatshirt liegt doch mindestens seit dem Abitur unberührt in der Schublade. Der Gummizug am Rockbund lässt sich nicht mehr weiter dehnen. Und diese Jacke! Aber vielleicht kommen riesige Schulterpolster doch irgendwann wieder in Mode.

Statt Preise zu vergleichen lieber das Buffet bestücken. Sektflaschen bereit stellen, CDs einlegen, Spiegel wischen, das Zimmer für den Catwalk freiräumen. Und plötzlich werden aus einem Dutzend Freundinnen Second-Hand-Models.

Nicht nötig, an der Kasse anzustehen. Lieber übers neue Outfit amüsieren. Der Fummel, der die Vorbesitzerin zur Presswurst machte, lässt eine Blonde fast schon zum Klon von Claudia Schiffer werden. Das pinkfarbene T-Shirtkleid im Bali-Batik-Look ist wie geschaffen für die Tochter der Arbeitskollegin. Und mit ein bisschen Fantasie verwandelt sich die blau-rot-gelbe Tasche in ein Modell à la Mondrian. Bei der Kleidertauschparty macht Wiedersehen Freude. Hat nicht letztes Jahr Frauke von Silke geerbt, was sie zuvor Jeannette entrissen hatte?

Am Ende fühlt man sich dann doch wie im WSV. Alle schleppen volle Taschen mit nach Hause. So haben Klamotten-Klauberinnen kurz vor Frühlingsbeginn exakt dasselbe Problem wie die Händler im Winterschlussverkauf: prall gefüllte Lager. Aber diesmal ist der Umtausch nicht ausgeschlossen.

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