Von Tag zu Tag : Unhaltbar in Berlin

Stefan Jacobs über Minischweine auf Balkons und Rinder in der Wohnung.

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Tsp
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Der Killerwels vom Schlachtensee lässt trotz anhaltend dünner Nachrichtenlage auf sich warten, aber an Land überschlagen sich die Meldungen aus dem urbanen Tierreich. Das Rathaus Lichtenberg informiert über einen Einsatz von Tierarzt und Ordnungsamt „wegen akuter Geruchsbeschwerden“ in der Zingster Straße. Anders als Rückenbeschwerden sind Geruchsbeschwerden ja bisher keine Volkskrankheit, jedenfalls keine akute. In diesem Fall aber traf es die Spürnasen vom Amt mit Wucht: Wegen – Zitat! – „unhaltbarer Haltungsbedingungen“ mussten ein auf einem Balkon gehaltenes Minischwein (ein Glück, dass es kein Maxischwein war!) und drei Frettchen sichergestellt werden.

Damit ist eine Frage beantwortet, die Tierschützer erst am Samstag bei einer Demo stellen wollen: Die „Veggie-Parade“ will thematisieren, „warum so viele Menschen Hunde und Katzen streicheln und lieben, aber ebenso intelligente und liebenswerte Tiere wie Schweine, Hühner oder Rinder als Nahrung zu sich nehmen“. Gegenfrage: Wie soll man bei dem angespannten Wohnungsmarkt ein Rind halten, auch wenn es noch so liebenswert ist?

Das Minischwein aus der Zingster Straße wohnt nun beim Tierschutzverein. Die Besitzerin hat eine Verzichtserklärung unterschrieben. Armes Schwein. So, jetzt aber auf zum Schlachtensee.

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