Von Tag zu Tag : Unser aller Baby

Johannes Schneider über Transparenz und Werbeblöcke im Kreißsaal.

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Man kann der Piratenpartei einiges an Versagen vorhalten. Eines aber hat der derzeit vor sich hinerodierende Haufen geschafft: Er hat ein großes Nachdenken über Transparenz angestoßen. Den richtigen Mix aus Datenschutz (für Privatleute) und Informationsfreiheit (bei Vorgängen von öffentlichem Interesse) wünschen sich heute nicht mehr nur Experten, sondern jedes Baby.

Baby? Da scheint es noch blinde Flecken zu geben. In Berlin zumal, wo landeseigene Klinikkonzerne privaten Fernsehsendern die Kreißsaaltür öffnen. Die werdenden Eltern mögen da ihr Einverständnis gegeben haben. Das Kind, das zwischen Werbeblöcken aus dem Geburtskanal flutscht, hat jedoch niemand gefragt, ob es im Umfeld auf Dokumentation getrimmter Fernsehunterhaltung auf die Welt kommen wollte.

Das alles darf in einem freien Land natürlich sein. Ob es allerdings Aufgabe eines Krankenhauses ist, beim hinreichend dokumentierten Wunder der Geburt Transparenz zu schaffen – fraglich. Wo aber 27 Kameras in steriler Umgebung installiert sind, schaut, utopisch gedacht, ein anderes, in Zeiten von Lebensmittelskandalen sinnvolleres Projekt heraus: Denn auch ein transparenter Schlachthof könnte ja ein Quotenbringer sein.

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