Von Tag zu Tag : Unser Großer

Christian van Lessen freut sich, dass eine Tradition nicht verloren geht

Christian van Lessen

Für eine Stadt, die vieles doppelt und dreifach bietet, etwa Opern, Funk- und Fernsehtürme, ganze Zentren gar, ist nur folgerichtig, dass sie Doppeldecker hat. Es war ein Schock nicht nur für altgediente Fahrgäste, als die BVG vor 13 Jahren ausgesprochen unsensibel verkündete, keine neuen Doppeldecker anschaffen zu wollen. Das war, als hätte Hamburg sich vom Fischmarkt, Wien von den Fiakern und Bombay von den Kühen verabschiedet. Die Großen Gelben scherten sich nicht um die angedrohte Ausmusterung, rollten wacker knarrend quietschend weiter. Waren sich offenbar ihres Werts als Wahrzeichen bewusst. Sie ließen die BVG spüren, was die sich mit langen schwenkbaren Eindeckern, wie sie in jeder größeren Stadt fahren, eingehandelt hat. Manche von denen tänzelten so leichtfertig in den Kurven, dass sie Beulen verursachten. Einem stabilen Doppeldecker wäre so was nie passiert, der blieb höchstens mal unter einer dieser niedrigen Brücken hängen. Dass so mancher von ihnen mit einem abgesägtem Dach sein Leben als Cabrio für Stadtrundfahrten fristet – das geht als Tribut an Touristen durch. Aber auch die wollen eben gern oben sitzen. Den Blick herab, die lässige Distanz, kann nur der Doppeldecker bieten. Dieser Bus hat Größe. Dass er zu Berlin gehört, eine weltbekannte Tradition verpflichtet und gepflegt werden will, hat nun – hoffentlich – auch die BVG kapiert.

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