Von Tag zu Tag : Unter der Voliere

Andreas Conrad betritt S-Bahnhöfe nur noch mit Regenschirm

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Als Taube hat man es in Berlin und anderswo schwer. Die mal offiziellen, mal inoffiziellen Versuche, den gurrenden Geschwadern die Stadt wieder abzutrotzen, reichen von der Pille über Eierklau bis zu Nagelreihen auf Landeplätzen oder gar der Aufforderung zum Taubenvergiften im Park. Besonders vertikale Kontakte zwischen Mensch und Vogel führen bei Ersterem zu Verdruss, meist stoßen sie ihm an Orten unfreiwilligen Wartens zu wie dem S-Bahnhof Feuerbachstraße. Eine Brücke führt dort über den Bahnsteig, fürs Federvolk stets ein bevorzugter Ort, hoch oben hin- und herzutrippeln und sich beiläufig zu erleichtern. Ha, dachte sich der Mensch, euch zeigen wir’s – und spannte unters Brückengerippe ein flächendeckendes Netz, undurchdringlich für jedwedes unerwünschte Getier. Undurchdringlich? Schön wär’s! Doch die Natur ist stärker – und hat den Abwehrzaun durch ein seitlich klaffendes, vermutlich mit nachhaltigem Picken erzeugtes Loch zur Voliere umfunktioniert, von den Vögeln jederzeit zu betreten oder zu verlassen, nach unten durchlässig. Ein riesiges Plumpsklo für Tauben.

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