Von Tag zu Tag : Uraltschulden

Lothar Heinke hat keinen Goldgulden für Mittenwalde übrig.

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Kann ja gut sein, dass das allabendliche Tagesschau-Durcheinander von Fiskalschirm, Rettungspakt und Milliardenbankenpleitenspenden die Leute nur noch verwirrt, ganz besonders jene, die mit der Kohle zu tun haben. Da schießen dann die wildesten Absurditäten ins Kraut: Mittenwalde, 8200 Einwohner, Autokennzeichen LDS, hatte im Jahre 1562 dem damals schon klammen Berlin 400 goldene Gulden geliehen und, natürlich, nicht zurückbekommen. Jetzt, 450 Jahre danach, zwinkert der CDU-Bürgermeister Uwe Pfeiffer mit den Augen und rechnet vor, dass die Außenstände mittlerweile einen dreistelligen Millionenbetrag plus Zinsen ausmachen dürften. Will uns der Mann vollends ins Verderben stürzen? Wo sollen die 400 Goldgulden herkommen? Berlin hat natürlich sofort erkannt, dass dem Original des Schuldscheins das Siegel fehlt, und außerdem streiten sich die Geister, ob die Sache nicht schon längst verjährt ist. Mittenwalde unternimmt nichts contra Berlin, „da würden nur Anwälte und Gerichte verdienen“, sagt der Bürgermeister. Und Finanzsenator Nußbaum meint, dass Schulden einen immer wieder einholen, egal, wie alt sie sind. Wie wahr.

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