Berlin : Von Tag zu Tag: Verladen

Gerd Nowakowski

Kennen Sie Werdau? Nein? Müssen sie auch nicht. Die Berlin-Reisenden, die am Montag unfreiwillig auf dem sonnendurchglühten Bahnsteig standen, hätten sich alles gewünscht, nur nicht, in diesem gottverlassenen sächsischen Nirgendwo zu stranden. Sie wollten nur nach Berlin. Im defekten ICE, der auf der Fahrt von Hof zum eigentlich geplanten Umsteigeort Chemnitz weit hinter der Zeit über die Gleise schlich, hatte die Alternativ-Route doch ganz gut geklungen. Sie steigen eben in Zwickau aus und nehmen den Zug nach Leipzig, steigen dort noch einmal um, und sind schon in Berlin, hatte die freundliche Bahnbegleiterin versichert. Alles klar? Klar. Bloß fährt der als Rettung angebotene Zug gar nicht nach Leipzig. Deswegen steht das Dutzend Reisende in Werdau in der Einöde - und wartet, bis endlich ein Bummelzug vorbeikommt.

Der Bahnsteig kocht. Und die verhinderten Reisenden ebenfalls. Der supermoderne ICE mit Pendeltechnik konnte zwar nicht mehr pendeln, aber immerhin funktionierte die Klimaanlage. Was man vom Ersatzzug auf der Schleichstrecke nach Leipzig nicht behaupten konnte. Die Klimaanlage scheint aber das Einzige zu sein, worauf Verlass ist beim brandneuen ICE. Der ist ständig kaputt, heißt es in Zwickau beim Bahnvorsteher lakonisch.

PS. Aus der Bahn-Werbung: "Zum Fahrplanwechsel am 10. Juni baut die Bahn ihr ICE-Netz weiter aus: Auf der Strecke Dresden - Chemnitz - Hof - Nürnberg feiert der erste dieselgetriebene ICE Premiere. Er verkürzt die Fahrtzeit um bis zu 80 Minuten."

PPS: Auf der Hinfahrt nach Hof einen Tag zuvor betrug die Verspätung zwei Stunden. Der ICE war kaputt.

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