Berlin : Von Tag zu Tag: Verona hoch zwei

Andreas Conrad

Das Leben des modernen Menschen zeichnet sich vor allem durch den Verlust jeglicher Gewissheiten aus. Der Ötzi, dem womöglich ein Mammut in doppelter Ausführung über den Weg trampelte, konnte noch sicher sein, dass er nur zuviel Met genossen hatte. Spätere Generationen mussten schon fürchten, der Optiker habe sich wieder bei den Dioptrien vergriffen. Unsereins aber hat eine dritte Möglichkeit in Betracht zu ziehen: Er befindet sich auf der Ifa.

Als wäre eine Verona nicht schon genug, begegnen sich dort, quasi im Feldbusch-Versuch, ihre reale und ihre virtuelle Version. Sie muss also - das Leben ist manchmal gerecht - ihr eigenes Geplapper noch selbst ertragen. Längst ist die Grenze zwischen Schein und Sein brüchig geworden, unterm Funkturm erhebt man dies nun zum Prinzip. Lara Croft hat es vorgemacht: erst Fantasiegebilde per Knopfdruck, mittlerweile von einer Realperson auf der Leinwand nachgeahmt. Auch die Ifa hat ihre Lara, nur heißt sie nicht so, rote Bob-Frisur, rotes T-Shirt, blaue Hose. Das virtuelle Ifa-Maskottchen - mit zwingender Vorbildfunktion für die realen Messehostessen. Die Zukunft der Klontechnik, auf der Ifa schon heute zu besichtigen. Du sollst dir kein Bildnis machen, hieß es früher. Dann kam das Fernsehen.

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