Von Tag zu Tag : Verschaukelt

Andreas Conrad würde auf dem Einheitsdenkmal bestimmt seekrank

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Die Symbolkraft von Denkmälern kann man planen, eine Garantie für die gewünschte Wirkung gibt es nicht. So hatte sich Georg Kolbe wohl nie vorstellen können, dass die Berliner sein 1930 im Volkspark Rehberge aufgestelltes Rathenau-Denkmal bald schon zur „Steuerschraube“ erklären würden, vom Denkmal vor dem Hauptbahnhof Hannover ganz zu schweigen. Ernst August I. als stolzer Reitersmann dient den Hannoveranern als beliebter Treffpunkt. Wie sie ihn bezeichnen, ist aber fast Majestätsbeleidigung: „Unterm Schwanz“. So muss man auch fürs Berliner Einheitsdenkmal Schlimmstes befürchten. Die riesige Schiffsschaukel wird mit Geländer geplant, auf dass niemand beim Wippen herunterpurzele. Das ist fürsorglich gedacht, schränkt die auf die friedliche Revolution 1989 zielende Symbolik aber erheblich ein: Richtig gefährlich war die ja wohl nicht. Gut möglich auch, dass die an der Reling fröhlich auf und nieder schaukelnden Besucher dann manchen spottlustigen Berliner an Kate und Leonardo am Bug der „Titanic“ erinnern – mit voller Kraft voraus Richtung Eisberg.

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