Berlin : Von Tag zu Tag: Versetzung gefährdet

Brigitte Grunert

Schön, dass es Ferien gibt, auch wenn sie ohne Zeugnisse für viele noch schöner wären. Aber Legionen von Schülern sind sich sicher: Schuld an miesen Noten haben nur ungerechte oder untaugliche Lehrer. Nun gibt es gute und schlechte Schulen. Und die Wahlkampfzentralen der Berliner Parteien sind wahre Schauspielschulen.

Also, der CDU-Werbelehrer Axel Wallrabenstein hat Frank Steffel zum Jung-Kennedy von der Spree gemacht. Wie isses nun bloß komisch. Das ließ den SPD-Wahlkampfleiter Michael Donnermeyer nicht ruhen. Pünktlich vor dem Zeugnistag erfand er die John-F.-Kennedy-Schauspielschule, machte sich zu ihrem Hilfelehrer und stellte Frank Steffel ein Zeugnis aus, aus dem wir ein paar Noten zitieren. Rechnen: "Muss man mit ihm nicht." Latein: "Am Ende." Chemie: "Stimmt nicht." Sachkunde: "Warum?" Geographie: "Fremd im Osten." Zukunft: "Fern." Häuslicher Fleiß: "Macht alles Katja" (seine Frau). Turnen: "Schafft die Rolle nicht." Bemerkungen: "Frank hebt gelegentlich ab. Er sollte besser auf dem Teppich bleiben." Bewertung: "Frank steht immer noch unter starkem Einfluss seiner Vaterfiguren. Deswegen ist selbstständiges Arbeiten noch nicht zu erwarten. Frank muss leider in der Klasse der Filz-Stifte bleiben."

Wie sagte Klaus Wowereit, als Frank Steffel gegen ihn ausfällig wurde und einen "deformierten Charakter" nannte? "Auf dieses Niveau lasse ich mich nicht ein." Er sollte das auch seinem schrecklich komischen Herrn Donnermeyer sagen. Wir aber haben uns in der Redaktion beim Lesen des Donnermeyerschen Zeugnisses alle gegenseitig gekitzelt, damit wir endlich von Herzen lachen konnten.

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