Von Tag zu Tag : Volle Summe

Bernd Matthies über die A 100 und ihre Annäherung an die Realität.

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Eine Weltstadt braucht auch anständige Kostenexplosionen. In Berlin wurde dieses Phänomen mit ICC und Kammermusiksaal praktisch erfunden. Doch seit die Hamburger Elbphilharmonie unangefochten immer neuen Preisrekorden entgegenstrebt, nimmt das kaum noch jemand wahr.

Zeit genug also zumindest für ein kleines Explosiönchen. Der Ausbau der A 100 soll nun – so hat der Rechnungshof berechnet – nicht 420, sondern mindestens 475 Millionen Euro kosten, vor allem, weil die Kalkulation schon ein paar Jahre alt ist und seitdem, natürlich, alles teurer geworden ist.

Aha! sagen wir Laien nun, das hätte doch in eine anständige Kalkulation zwecks politischer Entscheidungsfindung hineingehört? Doch wer glaubt, dass umstrittene Bauprojekte so ehrlich kalkuliert werden, der glaubt auch an Kostenkalkulationen überhaupt. Es gilt das Prinzip Elbphilharmonie: Man errechnet einen politischen Preis, der dann nach Beschlussfassung behutsam nach und nach der Realität angepasst wird.

Ein kluger Senatssprecher wird nun zweifellos sagen, man könne die Zahlen des Rechnungshofs nicht nachvollziehen. Das mag sein. Gezahlt wird am Ende trotzdem die volle Summe.

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