Berlin : Von Tag zu Tag: Vorsicht, Spalter!

Stephan Wiehler

Kennen Sie den? Worin unterscheiden sich ein CDU- und ein PDS-Mann nach dem Sex? Der CDU-Mann fragt: War ich gut? Der von der PDS fragt: War doch nicht alles schlecht, oder? Ja, die Verunsicherung vieler ehemaliger DDR-Bürger mag immer noch groß sein. Ob sie tatsächlich bis in die Schlafzimmer zwischen Saßnitz und Zittau reicht, lassen wir mal dahingestellt. Aber hin und wieder tun auch wir Westgeborenen gut daran, die Lebensleistungen unserer Landsleute aus Ex-Drüben anzuerkennen und ihnen aufmunternd zuzurufen: Nein, es war doch wirklich nicht alles schlecht! Viele Schnäppchen, die wir beim Ausverkauf der DDR ergattert haben, sind auch uns inzwischen lieb und teuer geworden: die Pittiplatsch-Puppen, der Sandmann, der Polizeiruf 110, die Spreewaldgurke und Maybrit Illner, Achim Menzel und das Ampelmännchen - und, natürlich, der Grüne Pfeil. Die Befreiung des westdeutschen Rechtsabbiegers vom Diktat des roten Ampellichts, das wirkte verbindend. Klar, dass orthodoxen Antikommunisten der Grüne Pfeil als Errungenschaft der Roten stets ein Dorn im Auge blieb. Jetzt scheint die ewige Reaktion gegen Fortschritt und Versöhnung wieder die Oberhand gewonnen zu haben. Die Polizei schraubt im Stadtgebiet immer mehr grüne Pfeile ab, meldete gestern eine Boulevardzeitung. Von den einst 182 Grünen Pfeilen verschwanden allein im vergangenen Jahr 27 Stück. Im Osten hängen noch 93 Grünpfeile an 54 Kreuzungen, im Westen 62 an insgesamt 57 beampelten Straßenecken. Die Polizei begründet die Demontage mit Sicherheitsbedenken - und lässt ein Symbol der Einheit Deutschlands und der Freiheit des deutschen Autofahrers langsam verschwinden, zum 40. Jahrestag des Mauerbaus ein fragwürdiges politisches Zeichen. Muss sich die PDS bald auch noch für das Ampelmännchen entschuldigen?

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben