Berlin : Von Tag zu Tag: Warten auf Fritz

Matthias Oloew

Jeder kommt irgendwann einmal zu spät. Meistens gibt es eine plausible Erklärung dafür. Verschlafen, Bus weg, im Stau gestanden. Das kommt in Berlin nahezu täglich vor. Denn in der Stadt der tausend Baustellen, Staatsbesuche, Demonstrationen und Umleitungen ist es fast unausweichlich, Termine nicht mehr einzuhalten. Bei einer Viertelstunde drückt jeder ein Auge zu. Eine halbe Stunde ist auch noch zu verschmerzen. Aber fast ein ganzes Jahr? Das geht zu weit.

Schuld daran ist nicht der Verkehr, auch nicht die Baustellen. Schuld an der Verspätung für die Rückkehr des Reiterstandbildes von Friedrich dem Großen sind - man hat es nicht anders vermutet - die Mühlsteine der Berliner Politik. Denn das Denkmal wurde saniert, mit Unterstützung der Stiftung Denkmalschutz, die das Geld aber nur locker machte, wenn das Standbild auf einen neuen Sockel zurückkehrt, der an seinem angestammten Platz, ein paar Meter zurückgesetzt Unter den Linden war. Eigentlich kein Problem? Oh doch! Denn bevor der Denkmalssockel verschoben werden konnte, musste ein darunter liegendes Fernwärmerohr weg. Eigentlich auch kein Problem? Oh doch! Denn in dieser Stadt, in der Milliarden für neue Stadtviertel und aufwendige Tiergartentunnel verbaut werden, fehlt das Geld an allen Ecken und Enden, und auch, um ein Rohr zu verlegen. Deshalb blieb Friedrich in der Restaurierungswerkstatt, obwohl die Sanierung längst beendet war.

Fast ein Jahr hat es gedauert, bis das Rohr unter dem Denkmalssockel weg war. In dieser Zeit entstehen anderswo in der Stadt ganze Einkaufszentren neu. Aber, wie gesagt, für jede Verspätung gibt es eine Erklärung. Freilich mehr oder weniger plausibel.

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