Von Tag zu Tag : Was Bären wollen

Stefan Jacobs über Großwild und politisches Fachpersonal

Die Frage, was ein artgerechtes Bärenleben ist, beschäftigt immer wieder das politische Spitzenpersonal: „Nun haben wir, der normal verhaltende Bär lebt im Wald, geht niemals, äh, raus und, äh, reißt vielleicht, äh, ein bis zwei Schafe im Jahr“, stellte der bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber vor Jahren klar, als „Bruno“ noch durch Forsten und Ställe südlich des Weißwurstäquators strich. In Berlin aber sind die Bären drin – zur Empörung der für Nahverkehr und Tierschutz zuständigen Grünen-Abgeordneten Claudia Hämmerling. In einer Anfrage an den Senat prangerte sie die Haltungsbedingungen im Zwinger am Köllnischen Park an – und erhielt eine Antwort des Umweltstaatssekretärs, die selbst Stoibers pointierte Schilderung übertrifft und deshalb hier in Auszügen dokumentiert wird:

„Frage 1: Ist dem Senat bekannt, dass Bären in freier Wildbahn täglich bis zu 16 Stunden in großen Arealen (…) mit der Nahrungssuche beschäftigt sind?“

Antwort: „Ja.“

„Frage 6: Wie bewertet der Senat die Auffassung, dass Mängel im Bärenzwinger kaum durch eine Geburtstagstorte kompensiert werden können?“

Antwort: „Der Senat teilt diese Auffassung. Dennoch lehnt der Senat die Gabe von Torten zu Geburtstagen der Bären nicht grundsätzlich ab.“ Soso. Bayern schießen, Berliner backen. Armer Bruno.

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