Berlin : Von Tag zu Tag: Weg mit der Zigarre!

Andreas Conrad

Die Zigarre hat ihre Zugkraft als Statussymbol bekanntlich nicht erst seit Billyboys Eskapaden entwickelt. Das heißt, für hoch moralische Raucher erlitt sie gerade über dessen Praktiken schweren Schaden. Denken wir also lieber an unseren Kanzler und seine Tabak-Torpedos, den aktuellen wie auch an Ludwig Erhard. Denken wir an Bertolt Brecht und Arnold Schwarzenegger, den Berlin-Besucher des Tages. Und denken wir vor allem an Winston Churchill, der ohne seine Zigarre doch undenkbar ist. Seit gestern ist er im Kronprinzenpalais zu sehen, im Rahmen einer Ausstellung, die dem kanadischen Fotografen Yousuf Karsh gewidmet ist (Näheres im Feuilleton). Der britische Premier - ganz ohne Zigarre! Das Foto ist eine Ikone des 20. Jahrhunderts, berühmt wie Andy Warhols kunterbunte Marilyn, und entstand doch nur, weil der junge Yousuf dem großen Winston kurzerhand die Zigarre weggenommen hatte. Der war entsprechend ergrimmt - fürs Foto ideal.

Was lehrt uns das, so kurz vor Weihnachten? Vor dem Fest also, bei dem wieder massenweise Zigarren verschenkt werden und mittlerweile auch diese Humidor genannten Kästen, in denen die dicken Dinger frisch bleiben sollen. Mit einer Zigarre kommt sich mancher Raucher gleich viel größer vor, doch zeigt das britische Beispiel: Ikonographischen Rang erreicht ein richtiger Kerl auch ohne. Dieser zornzerfaltete Blick, kurz vor dem Explodieren! Grandios. Nur trachte man ja nicht danach, dem verhinderten Räuchermännchen nach Churchills Beispiel anderes Spielzeug in die Hand zu geben. Denn noch ein weiteres Foto des Kriegspremiers ist legendär geworden, taugt aber in diesen friedlichen Zeiten so gar nicht mehr zum Nachahmen: Oder hätten Sie Ihren Schatz am liebsten mit Maschinenpistole?

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar