Berlin : Von Tag zu Tag: Wegeners Mauer

Ekkehard Schwerk

Die wutschnaubend hervorgestoßenen Worte des Vorsitzenden Wolf Wegener sind vom Schaum umflogen. Er sprach - wie einige Blätter ihn gestern seinerseits unbeanstandet zitierten - von der Errichtung "einer neuen Mauer mitten durch Berlin", sobald die Straßenbahn auf der Leipziger Straße führe. Es war eine der Wegenerschen Entgleisungen, wie sie dem Berlin-Brandenburger ADAC-Vorsitzenden eigen sind.

Wegener ist Berliner. Als führender ADAC-Funktionär steuert er seit 23 Jahren die Interessen der Kraftfahrer mit kräftigen Sprüchen; immer, wenn er sich mit seiner Lobbyisten-Karre in der Neuzeit verfährt, lässt er wütend einen fahren: "Freie Fahrt für freie Bürger" ehedem gegen Tempo 100 auf der Avus und nun gegen die Straßenbahn auf der Leipziger mit dem Mauer-Vergleich. Der fesche Wolfi machte wieder mal einen Kavaliersstart, lässt die Reifen kreischen, kriegt aber die Kurve nicht und rast gegen die Mauer. Er lässt sie, die einem neuzeitlichen Sinnbild zufolge noch in den Hirnen steht, sichtbar werden als Straßenbahn auf der Leipziger.

Wenn also - was Christophorus verhüten möge! - ein Kraftfahrer auf der Leipziger Straße einen Menschen, der die Straßenbahn benutzt, an- oder umfährt, dann müsste Wegener in seiner Denkweise von einem "Maueropfer" reden. Wer böse Geister ruft, ist von allen guten Geistern verlassen.

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