Berlin : Von Tag zu Tag: Weiberwirtschaft

Lothar Heinke

Wenn des Frühlings holder, belebender Blick auf uns fällt und wir mit vom Eise befreiten Gefühlen den Osterspaziergang nach, sagen wir mal, Lübars vorverlegen, dann stehen wir plötzlich am Rande des Weihers vor frischen Weidenkätzchen, allerliebst und samtig. Aber mit einem Male plagt Unbill die städtische Gästeschar: Das große Niesen beginnt. Unaufhaltsam: Haaat-schiie. Grausam. Die Träne quillt, die Pollen fliegen wieder. Mildes Wetter schickt, viel zu früh, Mengen von Haselnuss- und Erlenpollen auf den Luftweg zu den Landebahnen der Allergiker.

Wer kein Pollenallergiker ist, sollte sich hüten, voreilig in die Hände zu klatschen: Auch für ihn hat Mutter Natur bald eine kleine Stichelei parat. Ein Verhaltensbiologe sehnt sich nach einem Kälteeinbruch, denn sonst könnte es eine wahre Mückenplage geben. Die befruchteten Hausmücken-Weibchen werden bei Sonne und Milde sehr rührig und haben nichts Eiligeres zu tun, als Eier zu legen, aus denen dann wieder vorfristig die nächste Generation der Plagegeister ins Freie fliegt, direkt auf uns zu. Immer sind die Weiber schuld!

Auch beim Ausbruch von Frühlingsgefühlen nehmen weibliche Enten eine führende Rolle ein. Im Tierpark wurden Stockentenweibchen gesichtet, wie sie - für die Liebe ist es nie zu früh - mit "Scheinputzen und Badebewegungen" ihre Erpel zur Balz aufforderten. Die Enterichs durchschauten das Manöver, hatten noch keine Lust, nicht mal zum Augenzwinkern. Das Wetter!

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