Berlin : Von Tag zu Tag: Weiße Ostern

Christoph Stollowsky

"Weiße Weihnachten" - wem geht da nicht das Herz auf? Für eine solche frohe Botschaft schenken wir den Wetterpropheten doch gerne jede Menge selbstgebackene Plätzchen. Aber jetzt, knapp vier Monate später, nach einem ersten leidenschaftlichen Rendezvous mit dem Frühling, könnten wir jede Schneeflocke einzeln vom Himmel schießen. Nein, wir wollen nicht mehr schlittern und bibbern, sondern im T-Shirt unsere Ostereier suchen und die Sonne auf dem Rücken spüren. Doch was melden die Meteorologen? "Weiße Ostern!"

Gewiss, man hätte es sich schon am Karfreitagmorgen denken können, als es aus finsterem Himmel graupelte und noch nicht mal unsere Hunde auf die Straße wollten. Aber wer hält solche Wetterkapriolen für möglich? Wer war zu Ostern schon mal mit dem Schneeschieber unterwegs? Wir mähen ja auch zu Weihnachten nicht den Rasen. Doch nun ist alles durcheinander gekommen, und es bringt vermutlich nichts, Petrus eins auf die Löffel zu geben.

Finden wir uns also damit ab. Sind die Schlittenkufen gewachst, die Pelzmäntel griffbereit? Diese außergewöhnliche, weiße Osterkulisse hat ja auch ihre Vorteile - zumindest für Kinder. Schließlich hebt sich der Osterhase wie auf der Zielscheibe davor ab, egal, wie raffiniert er sich durch den Garten schleicht. Und jedes bunte Ei sieht aus, als wäre es mit Leuchtfarbe angestrichen. Dieses Wetter ist die wahre Herausforderung für alle Eierverstecker. Und sind die Körbchen gefüllt, bauen wir einen Schneehasen, drücken ihm eine Hand voll Eier in die Kiepe und nehmen ihn in die Mitte. Als Star auf dem Familienfoto. Ein solches Bild wird noch in Jahrzehnten eine Sensation sein.

Es sei denn, wir halten uns an den Bauernkalender. Der nimmt alles etwas weniger dramatisch. "Weihnachten Klee, Ostern im Schnee". Es ist halt alles schon mal dagewesen.

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