Von Tag zu Tag : Wildwuchs

Werner van Bebber fragt sich, wo Moscheen entstehen sollten

Werner van Bebber

Nur sehr gelegentlich mischt sich Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer ein, wenn in Bezirken über Moscheen gestritten wird. Politisch liegt sie damit richtig – wenn es Grundgesetz ist, dass Politiker Konflikte meiden, in denen sie sich unbeliebt machen. Sachlich hat sich Junge-Reyer ausnahmsweise mal eingemischt und durchgesetzt: Sie erklärte das Neuköllner Inssan-MoscheeProjekt in der Pflügerstraße für zu groß für ein Wohngebiet. Ein Gericht hat ihr Recht gegeben. Da hat die Senatorin Glück gehabt. Nicht bloß in Pankow gibt es Streit um einen Moscheebau. In Köln und in München toben ähnliche Auseinandersetzungen. Stets müssen Kommunalpolitiker versuchen, Gesellschaftspolitik nach baurechtlichen Überlegungen zu machen – als sei eine Moschee das gleiche wie ein Baumarkt. Ständig kollidiert im Bezirksamt der Streit der Kulturen mit den Interessen von Anwohnern. In Berlin fehlt ein Masterplan für Moscheebauten, ein Katalog der Kriterien für die Bezirke.Der Integration hilft es wenig, wenn niemand außer den zuständigen Verwaltungsrichtern weiß, was moscheemäßig passt und was nicht. Stadtentwicklung sieht anders aus.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben