Berlin : Von Tag zu Tag: Willkommen daheim

Gerd Nowakowski

Die gute Nachricht: Der Bus kommt seit gestern Morgen wieder mit der gewohnten Verspätung. Das war sechs Wochen ganz anders, genauer gesagt: während der langen, langen Sommerferien. Da war der Bus regelmäßig dem Fahrplan voraus. Und leer. So leer wie die ganze Stadt. Die schlechte Nachricht: Dafür gibt es seit gestern in Bahnen und Busse keine Sitzplätze mehr. Stattdessen massig Schulranzenträger, gebräunte Lehrkräfte und ausgeruhte Werktätige.

Plötzlich hat Berlin sie alle wieder, die urlaubenden Familien und ihre schulpflichtigen Kinder. All jene, die in der Stadt geblieben waren und den Sommer genossen, müssen dagegen feststellen, dass ihnen Berlin nicht mehr allein gehört. Einladend leere Museen und Kinos - vorbei. Parkplätze zum Aussuchen direkt vor der Haustür - vergiss es. Seit dem Wochenende muss um jede freie Lücke gekämpft werden. Jederzeit ein freier Platz im Restaurant - seit Sonntag wieder ein Glücksspiel. Da sitzen nämlich unverhofft jene unverschämt gut erholten Mitmenschen und haben noch das Gute-Laune-Wohlfühl-Blitzen in den Augen. Und keiner hat die anderen vermisst.

Frust verbindet. Seit gestern sind die Berliner wieder ein wenig gleicher geworden. Der Alltag hat alle unterschiedslos eingeholt, ob Urlauber oder Hierbleiber - mit Nieselregen am Montagmorgen. Sie hocken wieder zusammengequetscht in der U-Bahn. Doch für Mitleid gibt es keinen Grund. Der Nachbar kann erzählen, wie es im Urlaub zuging und die Zurückgebliebenen davon schwärmen, wie toll das Wetter in Berlin war.

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