Berlin : Von Tag zu Tag: Wisch, wasch, weg

Andreas Conrad

Die Autofarbe war noch zu erkennen, aber eine Wagenwäsche tat dringend not, keine Frage. Früher hätte er in solchen Fällen kurz einen Schlauch genommen, das ging nicht mehr: Die Umwelt! Eine dieser Wisch-wasch-weg-Automaten? Zu teuer, und einem Kollegen hatten sie mal das ganze Auto zerdrückt. Auch könnte sein kleiner Beifahrer, der darauf bestand mitzukommen, angesichts rotierender Riesenbürsten in Panik geraten.

Also zur Selbstwaschanlage: Er lud Eimer, Schwamm, Schaumbad und Lappen ein, versicherte sich eines Vorrats an Markstücken, und los ging es zur Tankstelle. Kurzes Abspritzen, dann den Eimer mit Wasser gefüllt und geschrubbt. Die Schaumbürste der Anlage verschmähte er: Zu unhandlich, nicht gründlich genug. Plötzlich stand der Tankwart da. Erkundigte sich, ob die Anlage defekt sei. Eine rhetorische Frage, wie sich nach der erläuternden Antwort rasch zeigte. Immer diese Leute, die nur für eine Mark waschen wollten, raunzte er, den ganzen Dreck habe er dann trotzdem. Versuche, den Mann zu beruhigen, er werde schon genug verdienen, verliefen ins Leere. Ja, wenn das Schule machen würde, ereiferte er sich nur, offenkundig nicht mehr zugänglich für Argumente, die Entscheidung zwischen Schwamm und Bürste sei doch kostenneutral und lasse den übrigen Waschvorgang unbeeinflusst.

Tja, da blieb leider keine Wahl. Jeder weitere Mark wäre hier zu schade. Wozu gibt es Wettbewerb! Also wurde der Eimer geleert, Schwamm, Lappen, Schaumbad wieder eingesammelt, die schon bereit gelegten Markstücke eingesteckt und auch der geplante Tankvorgang verschoben. Hier nicht! Das Auto sah zwar nun ziemlich seltsam aus, eine Seite reinlich, die andere verdreckt, aber das war es ihm wert: Er hatte dem Tiger die Zähne gezeigt.

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