Berlin : Von Tag zu Tag: Witwenverbrennung

Ekkehard Schwerk

"Mir ist nicht klar, weshalb Witwenverbrennung, wie noch in anderen Ländern Usus, so sehr angeprangert wird. Ich halte sie für eine menschlichere Lösung, als langsam von deutschen Beamten auf kleiner Flamme zum Wahnsinn getrieben zu werden." Die uns das schrieb, ist seit einem halben Jahr Witwe. Ihr Mann kam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Und es vergeht keine Woche, in der die junge Frau nicht mit Amtsschreiben traktiert wird, in denen Behördenansprüche gegen den Verstorbenen geltend gemacht werden. Die Witwe staunt über den Mangel an "Vernetzung und Kooperation" unter den Ämtern. Sie hatte allen den Tod gemeldet.

Das Finanzamt Reinickendorf, die Kirchensteuerstelle, forderte ein halbes Jahr nach dem Unfalltod Auskunft vom Verstorbenen über den obligaten "Zehnten". Das bezirkliche Grünflächenamt sah in den beiden Vornamen des Verstorbenen zwei Personen, von denen sie die eine als "Verursacher" des Baumschadens beim Unfall, der zum Tode des anderen führte haftbar machte. Nun will man sich, wie man uns sagte, bei der Witwe für diesen peinlichen Irrtum entschuldigen. Das "Familiengericht" schickte ein Formular mit der Aufforderung, es auszufüllen, worin unter anderem nach "wertvoller Leibwäsche" des Verstorbenen gefragt wurde. Hartleibige Bürokratie durchbricht jede noch so fein gesponnene "Vernetzung".

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