Berlin : Von Tag zu Tag: Zeugen Madonnas

Stephan Wiehler

Falls Sie auch die Absicht haben, demnächst ein Superstar, was sag ich, ein Megastar zu werden, konnten Sie in den vergangenen Wochen von Madonna lernen, wie das im Showgeschäft so läuft.

Erster Schritt: Ein paar windige Andeutungen streuen, dass hier irgendwas laufen soll, von dem aber niemand noch nichts Genaues weiß. Denn lange blieb vollkommen schleierhaft, ob die Göttliche ihre Konzerttour "Drowned World" (Versunkene Welt) überhaupt nach Berlin führen würde. Also: Unbestätigte Informationen in kleinen Häppchen, hin und wieder ein schwaches Dementi - das macht die Leute heiß.

Zweiter Schritt: Bevor die Fans richtig sauer werden, einen konkreten Konzerttermin bekannt geben. Aber bloß keine Eile beim Kartenverkauf zeigen. Den Rest besorgen jetzt die ungeduldigen Fans, die sich auf die Beine machen, um möglichst schnell an Tickets zu kommen. Noch ehe der Vorverkauf tatsächlich begonnen hat, verbreiten sie auf ihrer vergeblichen Suche nach Eintrittskarten das Gerücht, alle Tickets seien längst ausverkauft. Volltreffer: Selbst Madonna-Hasser sind jetzt bereit, jeden Preis für das Konzert zu zahlen.

Seltsam nur, dass Madonna sich bei dieser genialen Marketing-Strategie auf die Max-Schmeling-Halle hat beschränken lassen. Wenn Sie sich streng an die Masche halten, werden Sie sehen, dass Ihnen binnen kürzester Zeit garantiert so viele Jünger zu Füßen liegen, dass Sie locker auch das Olympiastadion zum Bersten bringen. Und wenn Sie nicht singen können, versuchen Sie sich doch als Prophet der Apokalypse. Dann kommen bestimmt die Zeugen Jehovas.

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