Von Tag zu Tag : Zu spontan

Bernd Matthies über musikalische Tendenzen in der U-Bahn

Bernd Matthies

So ist Berlin nun mal: Chaotisch, schnell, irgendwie anarchistisch. Wo sonst in der Welt würde es so etwas wie ein Spontankonzert in der U-Bahn geben? Den meisten anderen Städten fehlt dafür ja schon die U-Bahn, und die Lust am Kreativen sowieso. Wir ahnen: Sobald draußen der Slogan „Berlin – wo der Hiphop Bahn fährt“ hörbar wird, setzt sich wieder zusätzliche eine Million junger Touristen in Bewegung. Vermutlich reichen dafür schon die Erlebnisberichte über das, was sich da am Schlesischen Tor abgespielt hat.

Schon gut, verehrte BVG, so geht es nicht, zumal Spontan-Hiphop eine Musikrichtung ist, die volljährige U-Bahn-Fahrgäste vermutlich blitzartig ins nächste Taxi treibt. Doch das Phänomen erinnert zwangsläufig an den geriebenen Plan der Verkehrsbetriebe, Dauerbewohner der Bahnhöfe mit Opernmusik wegzuekeln. „Berlin“, sagen die jungen Gäste dann später zu Hause, „das ist doch die Stadt, wo sie auf dem Bahnhof dauernd die Rheingold-Ouvertüre dudeln, das war echt zum Weglaufen!“

Möglicherweise sollten wir das Thema doch den leisen Bahnhofsmusikanten mit der Gitarre überlassen. (Seite 10)

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