Von Tag zu Tag : Zum Glückskeks

Thomas Lackmann findet sein Auto und sein Fahrrad – aber nur manchmal.

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Den Löwenanteil jener kostbaren Lebenszeit, die glückliche Zeitgenossen dem Streicheln ihres Smartphones widmen, verbringen Hauptstadt-Autofahrer auf Parkplatzsuche. Noch dramatischer erscheint der täglich wachsende Zeitverlust beim Aufspüren unseres sonst wo abgestellten Automobils. Hier potenzieren sich zwei Mangel-Phänomene gegenseitig: Knappheit des Parkraums und Speicherbegrenzung auf der kopfeigenen Festplatte. Dramatisiert wird die anspruchsvolle Aufgabe, das Fahrzeug zwischen Dutzenden einander ähnelnden Modellen, Häusern und Straßenzügen wiederzufinden, durch die gefühlte Einschränkung des Zeitbudgets.

Wie anders würde dieses Problem sich gestalten, wenn der Halter die Ortung seines KfZ, das er braucht, um beispielsweise ein China-Restaurant zu erreichen, spielerisch anginge: bis er den Wagen, welche Überraschung, wie einen geschenkten Glückskeks vor ebendiesem Gasthaus entdeckt. Der Wok ist das Ziel; eine tröstliche, möglicherweise erfundene Anekdote. Als umso wahrer erweist sich, dass für Recherchen nach dem Verbleib der guten, alten Individualkutsche immer aufwendigere Mittel nötig sind.

Die Story vom Autofahrer, der sein Fahrrad für solche Aktionen nutzte, dessen letzten Standort aber schließlich – Filmriss – total vergaß, belegt solche Entwicklungen. Bei diesem Orientierungslosen kam eine Krankheit in erkältungsträchtiger Saison hinzu, und als er im Frühjahr überlegte, wo sein Autosuchesel überhaupt geblieben sei: Speichercrash. Kein Parkhafen dafür auf der Platte, zumindest keiner zu lokalisieren. Es gibt zwar ein Happy End in diesem Fall, das Rad stand nach Monaten in einem anderen Quartier auf einem gutbürgerlichen Platz, unversehrt abgeschlossen. Doch um künftig Lebenszeit zu sparen, dürfte es kaum reichen, die NSA-vernetzte Garagen-App mit digitalem Notizbuch anzuklicken oder Gehirn-Jogging zu praktizieren; was man nicht im Fuß hat, Sie wissen schon. Die nächste Jagd, nach dem Fahrradschlüssel, wäre schon wieder eine andere Geschichte.

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