Berlin : Von Tag zu Tag: Zum Krähen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Jetzt sitzen sie wieder wie die Hühner auf der Stange, im Saal 113 des Landesparlaments, und verteilen des Steuerzahlers Geld. Da wird gekräht und gegackert und im Sande gescharrt. Ab und zu legt mal einer ein Ei, aber oft macht es einfach nur klacks! Und es war kein Ei, was da auf wenig fruchtbaren Boden viel. Zugegeben: Das mit den Hühnern ist ein schiefes Bild, denn es sind fast durchweg Hähne, die im Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses sitzen. Prächtige Hähne natürlich.

Aber das macht die Sache nicht besser - die Beratung des Landeshaushalts 2001 fing am Mittwoch nicht gerade vielversprechend an. Dabei ist das Budgetrecht des Parlamentes vornehmstes Recht, von unseren Vorfahren in vordemokratischen Zeiten hart erkämpft. Wie wenig behutsam wird damit umgegangen! Es macht gar nichts, wenn sich die Opposition mit der Koalition schwer beharkt. Selbst das Aufplustern und Kammschwellen gehört zum Tagesgeschäft. Um zehn Uhr früh war der Ausschuss auch noch zu ertragen, aber je später der Abend, desto leerer wurden die Gesten.

So viele Vorbereitungstreffen gab es, so viele Fraktionssprecher-Vorgespräche und so viele Sitzungen der Unterausschüsse. Und doch wurde der vorgeladene Innensenator nach jedem Fliegendreck befragt, und der Finanzsenator - vorn am Tisch des Ausschussvorsitzenden - bekam einen bitteren Zug um den Mund. Wie viel Landesvermögen hätte er an diesem verlorenen Tag verkaufen können, so aber musste er Rede und Antwort stehen. Was seine Pflicht ist - aber diese Fragen einiger Abgeordneter!

Einer konnte es am Mittwoch besonders gut, nennen wir ihn einfach Marian K. Wenn wenigstens die Grammatik gestimmt hätte, in diesen verquasten, siebenfach verschachtelten Sätzen ... Irgendwie peinlich, denn die Sitzungen sind öffentlich. Also schlichen sich die am Abend übrig gebliebenen Journalisten verschämt zur Tür hinaus. Es wird ein kleines Geheimnis bleiben, was der Hauptausschuss danach beredete und beschloss. Ein Geheimnis, das wir niemals lüften wollen.

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