Von Tag zu Tag : Zum Wohlfühlen

Bernd Matthies sinniert über Häftlingskleidung und ihren Nutzen

Bernd Matthies

Häftlingskleidung – das war früher eine einfache Sache. Schwarzweiß gestreift, vorn auf der Brust die Nummer, und fertig. Aber wie sich die Moden ändern: Erst kam die Eisenkugel am Fußgelenk aus der Mode, dann wurde die gesamte Häftlingskleidung als stigmatisierend erkannt. Seither kann jeder drinnen tragen, was er will, Feinripp, Adidas, Armani.

Ob das zur seelischen Gesundung der Häftlinge beigetragen hat, weiß niemand. Bekannt ist aber umgekehrt, dass im Jugendknast Kleidung den Status ausdrückt. Das funktioniert zwar nicht so, dass irgendwelche Knackis in Nadelstreifen das Sagen haben, aber das muss ja auch nicht sein: Die dicke Hose von Picaldi teilt dem Träger der Ballonseide aus dem Ein-Euro-Markt hinreichend präzise mit, dass er sich besser vom Hof macht, bevor es auf die Zwölf gibt.

Deshalb nun also: Einheitskleidung zum Kuscheln und Wohlfühlen. Jeans, T-Shirt, was Langärmliges. Verschiedene Farben – aber doch so, dass Häftlinge als solche erkannt werden. Speziell darauf dürfen wir gespannt sein: Ein eingenähtes Etikett „JSA Plötzensee“ allein wird wohl nicht ausreichen (Seite 10).

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